Claus von Wagner in der (neuen) Anstalt über Anlageprodukte

In der ersten Folge der neuen Die Anstalt vom 04.02.2014 erzählt Claus von Wagner etwas über das Anlageprodukt „Kompass Life 3“ der Deutschen Bank

Die Sueddeutsche beschreibt die Funktionsweise so

Jede Versicherung ist eine Wette, und jede Lebensversicherung ist eine Wette auf den Tod. Die Deutsche Bank handelt mit diesen Policen und sammelt sie in einem makaberen Fonds: Dessen Rendite fällt für die Anleger umso höher aus, je früher Menschen sterben.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-in-der-kritik-geld-verdienen-mit-dem-tod-1.1277016

Mir wurde vor einer handvoll Jahren auch mal so ein Produkt angeboten. Welches genau, weiß ich nicht mehr, den Prospekt hab ich zwar gelesen, aber danach weggeschmissen. Ich fand und finde es nicht richtig, so sein Geld zu vermehren. Grob gesagt geht es darum, Menschen, die ihre Prämien für ihre Lebensversicherung nicht mehr bezahlen können, mehr zu bieten als den Rückkaufswert des Versicherers, um dann die Prämien weiter zu bezahlen und am Ende zu kassieren, wenn der Versicherungsfall dann tatsächlich eintritt – also der Tod der betreffenden Person.

Nicht nur, dass ich es für moralisch falsch halte, mein Geld so anzulegen, ich habe auch Probleme damit zu glauben, dass das ein funktionierendes Modell sein kann. Letztendlich macht man die Kalkulation der Versicherer z.T. kaputt, denen Teile des Gewinns entgehen, die daraus entstehen, dass ein gewisser Anteil an Kunden den Vertrag nicht bis zum Ende bedienen kann und mit Verlust kündigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Versicherer nicht irgendwann darauf reagieren und die Beiträge erhöhen, um den entronnenen Gewinn zu kompensieren. Mit der Folge, dass die Anlageform mit „gebrauchten“ Lebensversicherungen dann nicht mehr lukrativ genug ist und vielleicht eingestellt wird, aber für Kunden mit einem echten Interesse an finanzieller Absicherung eine Versicherung es ebenso schwieriger wird, eine Police zu bezahlen oder überhaupt sich eine leisten zu können.

Das erinnert mich ein wenig vom Prinzip her an Cross-Border-Leasing. In Artikeln, die ich darüber gelesen habe, hieß es inhaltlich – wenn nicht gerade mit diesem Wortlaut aber ähnlich – dass sich sowas lohnt, weil man US Steuerschlupflöcher ausnutzt und das dortige Steueraufkommen so groß ist, dass man mit Cross-Border-Leasing richtig viel sparen kann.

Ich bin ja nun kein Finanzexperte, aber Steuerrecht ist ja nun nicht gerade dafür bekannt, dass es sich niemals ändert. Und ich glaube auch nicht, dass sich die USA da langfristig das Geld aus der Tasche ziehen lassen ohne mit der Wimper zu zucken. In beiden Beispielen funktioniert das Ganze m.E. nur so lange, wie das derjenige duldet, der sich ausnutzen lässt. Und bei Anlage-Dauern von 10 Jahren und mehr glaube ich nicht, dass sich das durchhalten lässt.

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Linktipps vom 22.01.2012

Nach einer längeren Pause kommt hier das erste Posting in 2012, das aus Links zu Artikeln besteht, die ich in den letzten Wochen gesammelt habe. Es ist zwar nichts so alt wie die Nachrichten von gestern, aber vielleicht taugt es, zu dem ein oder anderen Thema in Ruhe mehrere Sichtweisen nachzulesen…

Linktipps vom 03.12.2011

Ein etwas neuerer und ein etwas älterer Link, beide zum gleichen Thema: wie sich Banken Geld bei der EZB zu geringen Zinsen leihen können, während sich Staaten zu hohen Zinsen am Markt mit Geld versorgen müssen:

Die Occupy-Bewegung wird als ernsthafter Gegner wahrgenommen

Spiegel online berichtet in „850.000-Dollar-Plan – Lobbyisten wollen Occupy-Bewegung killen„:

Für schlappe 850.000 Dollar wollen sie die Glaubwürdigkeit einer globalen Bewegung zerstören: Eine US-Lobbyfirma bietet amerikanischen Banken Hilfe bei der Demontage der Occupy-Protestler an.

[…]

Ihre Arbeit ist allerdings nicht immer konstruktiv, das zeigt der Online-Auftritt von CLGC. Stolz zitieren die Lobbyisten dort einen Zeitungsbericht, wonach sie wissen „how to kill legislative threats to (their) clients“ – wie also gesetzgeberische Bedrohungen für ihre Kunden zu erledigen seien.

Das Avaaz-Netzwerk will dem etwas entgegen setzen und ruft zu Spenden für eine Gegenumfrage auf: „Spenden Sie zur Finanzierung der 99%-Umfrage

Von London bis New York ziehen Konzerne bei Politik und Polizei im Hintergrund die Fäden. Gewaltsam entfernen sie friedliche Demonstranten von öffentlichen Plätzen und diskreditieren die Bewegung in den Medien als “dreckige Hippies” und “gewalttätige Kriminelle” ohne klare Forderungen. Es ist offensichtlich, warum sie nervös sind: Die Besetzer haben eine wichtige Schlacht der Ideen in Gang gesetzt, und die korrupte 1%-Elite könnte alles verlieren.

Jetzt heißt es Alles oder Nichts! Verhelfen wir der Bewegung zum Erfolg, indem wir eine große weltweite Meinungsumfrage in dutzenden Ländern finanzieren, die eindeutig zeigt, dass dies keine Randbewegung ist, die einfach zerstört werden kann, sondern ein politisches Projekt mit weitreichender öffentlicher Unterstützung.

Linktipps vom 29.09.2011

  • Fortsetzung zu „Neues aus der FDP-Gruft„: nun darf sich Dirk Pfeil in „Zu dumm für die FDP“ um Kopf und Kragen reden (in einem Interview mit der Frankfurter Neue Presse vom 25.09.2011). Der durchschnittliche Wähler sei zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen… Auch wenn’s nur Zufall ist, kommt die FDP bei der Forsa Sonntagsfrage vom 28.09.2011 bundesweit nur noch auf 2% 😉
  • In der Neues aus der Anstalt Sendung vom 27.09.2011 redet sich Erwin Pelzig 4:28 min in Rage und fragt so Dinge wie „Warum rät Goldman-Sachs derzeit, gegen den Euro zu wetten? Und warum berät dieselbe Bank Staaten in der Frage, wie der Euro zu retten ist?“ oder „Wenn’s nicht ohne Ungerechtigkeit geht, wäre es nicht gerechter, die Ungerechtigkeit auf wenige Menschen zu verteilen?“

Die Krise in Zahlen

Auf den NachDenkSeiten schreibt Jens Berger zwei lesenswerte Artikel zur derzeitigen Krise: „Die Eurokrise in Zahlen (I) – Wie Musterschüler zu Problemkindern wurden“ und „Eurokrise in Zahlen (II) – Krisengewinnler Neoliberalismus„. Dort gibt es einige Grafiken und Tabellen, die Zahlenmaterial zu Staatsschulden, Höhe des Zinsdienstes, Rendite der Staatsanleihen, etc. und deren Verlauf (insbesondere vor und seit der Krise) für einige europäische Länder. Er geht der Frage nach, warum bei manchen Staaten die Krise zuschlägt und bei anderen nicht oder zumindest deutlich weniger, obwohl die Zahlen nicht so verschieden sind. Man könnte das Ganze knapp zusammenfassen, dass der Zinsdienst durch Spekulation in die Höhe getrieben wird, u.a. weil den betroffenen Staaten das Mittel der Abwertung einer eigenen Währung nicht zur Verfügung steht. Auf den europäischen Binnenmarkt und die gemeinsame Währung geht auch Gregor Gysi in einer Rede mit dem Titel „Schwarz-Gelb hängt an klein karierter Ideologie“ ein. Viel zu lesen, aber gut, wenn man sich auch den unteren Teil des Eisbergs beschäftigen will, von dem nur die Spitze in den Nachrichten Platz findet.

Aus der Realwirtschaft kommen unterdessen weitere Stimmen auf, die den Finanzsektor stärker regulieren wollen, z.B. wie vom Handelsblatt unter „Unternehmer knöpfen sich die Banken vor“ gemeldet. Einige Zitate:

„Da können Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an“, sagte er [Anm.: Franz Fehrenbach, Bosch] am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die Finanzmärkte seien wieder kurz davor, die Weltwirtschaft in eine neue Krise zu reißen.
An eine Rezession glaubt Fehrenbach zwar derzeit nicht. Das Wachstum werde sich verlangsamen, aber es werde nicht zu Ende gehen. Umso deutlicher sprach er sich jedoch für eine schärfere Regulierung der Banken aus: „Wenn es stimmt, was ich lese, dass Goldman Sachs bereits eine Anleitung geschrieben hat, wie man gegen die Euro-Zone mit Gewinn wettet, dann zeigt sich doch, was da für eine Spekulation an den Finanzmärkten im Gange ist.“

[…]

Unterstützung bekommt er dabei von Heraeus: „Wenn zum Beispiel Leerverkäufe verboten werden, finde ich das sehr vernünftig. Schauen Sie, wie mit großen Summen gegen Währungen einzelner Staaten spekuliert wird, ohne dass hinter diesen Geschäften irgendetwas an realen Werten steckt. Das ist nicht nur unglaublich. Das ist vor allem schädlich.“

Nun geht das sicher nicht von heute auf morgen. Leider machen solche Aussagen nicht viel Mut:

Unter der Überschrift „Wachstum wird uns nicht retten“ darf sich Thomas Mirow, Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, in einem Interview mit dem Ökonomen und Journalisten Mark Schieritz auf einer Zeitungsseite über höhere Steuern und die Frage, wie Europa zu helfen ist, ausbreiten. Seine Antworten sind gleich in zweifacher Hinsicht deprimierend: Zum einen zeigt Mirow keine einzige Lösung auf. Zum anderen offenbaren seine einschläfernden Aussagen so viel kalte Ignoranz und Unkenntnis über unsere Gesellschaft, dass es einen graust. Es ist nicht störend, unterschiedlicher Meinung zu sein, im Gegenteil, das zwingt zum Nachdenken; es sind die Sattheit, die geistige Lähmung und das Fehlen jedweder Energie und jedweden Willens, etwas politisch zu gestalten, die so betroffen machen.

So beginnt ein Artikel von Thorsten Hild („Thomas Mirow – ein Paradebeispiel für die bedrohliche Denkfaulheit unserer Elite„), in dem auch wieder einige Zahlen genannt werden, u.a. das Verhältnis von Staatsschulden und Vermögen der privaten Haushalte. Letztere werden ja selten genannt, wenn über die Höhe der Staatsschulden geredet wird. Eine Umverteilung über höhere Steuern oder eine Vermögensteuer wird ja immer gerne damit abgebügelt, dass dies sofort eine Abwanderung zur Folge hätte, und kein Land das erste/alleinige sein will, das sich diesen „Standortnachteil“ aufhalst. In Österreich denkt die SPÖ aber offensichtlich ähnlich wie die SPD hierzulande und fordert eine Vermögensteuer. Zahlen aus dem Artikel bei DiePresse.com:

Die SPÖ forciert die Einführung einer Vermögenssteuer. Würden ihre bisher genannten Pläne umgesetzt, müssten die reichsten 80.000 Österreicher durchschnittlich 25.000 Euro mehr im Jahr zahlen. Dabei müssten sie ein Vermögen von bis zu 740 Milliarden Euro versteuern.

Was bisher von den SPÖ-Plänen bekannt ist: Von der Vermögenssteuer sollen die reichsten 80.000 betroffen sein. Das ist ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Diese 80.000 sollen mit einem Steuersatz zwischen 0,3 und 0,7 Prozent für alle Vermögensanteile über einer Million Euro zahlen. Die erste Million versteht sich als Freibetrag und wird nicht besteuert, sondern erst darüber hinaus gehende Beträge.

Linktipp vom 29.08.2011

Diese Leserbriefe hatte ich in der Irish Times entdeckt, es gibt sie auch online

  • In „Has capitalism failed?“ kommentieren zwei Leser den Vorschlag, sich im Westen evtl. an der Art des Chinesischen Kapitalismus zu orientieren. Mir kommt es auf die erste, ausführlichere Entgegnung an: dass man vielleicht nur wieder zu dem zurück muss, was man schon kennt und was funktioniert hat.