Warum sollen nur die #Olympia Gegner „dumm“, „faul“ und „uniformiert“ sein?

"Wenn fuer einen Parteiposten zwei kandidieren, nennt die deutsche Presse das eine Kampfkandidatur. Tritt nur einer an, ist es eine Wahl." - Volker Pispers

Gestern las ich den Artikel „Klares NEIN zu Olympia – Sieger überrascht, Verlierer entrüstet“ bei den Hamburger Piraten. Insbesondere der Teil mit den Kosten pro Stimme ist bei mir hängen geblieben. In Kurzform: die Pro-Olympia-Kampage habe bei 2,5 Millionen EUR etwa 8 EUR pro Ja-Stimme (insg. 314.648) gekostet, die Gegenkampagne bei angenommenen 20.000 EUR nur 6 Cent pro Nein-Stimme (insg. 335.638). Was schon ein ziemliches Ungleichgewicht darstellt.

Laut Mietenwahnsinn.de waren es sogar 8 Millionen EUR – siehe Tweet unten. Dann wären es ca. 25 EUR pro Ja-Stimme.

Und das brachte mich zu dem Gedanken: wenn so viel Geld für die Pro-Olympia-Werbung ausgegeben wurde – und ich habe an vielen Stellen Plakate mit glücklichen Menschen und einprägsamen Einzeilern sowie Feuer & Flamme Logos an Bussen und Bahnen gesehen – sind es dann nicht vielleicht eher die Befürworter gewesen, die sich nicht informiert haben, sondern von der „Dauerberieselung“ zu ihrer Entscheidung „aus dem Bauch heraus“ gebracht wurden?

Ok, das war jetzt etwas überspitzt dargestellt, aber aus der anderen Richtung kam genau dieser Vorwurf, nämlich vom Hamburger Sportbund-Chefs Jürgen Mantell:

„Alle diejenigen, die dagegen sind, und die Fragen hatten, hätten sich ja informieren können“, sagte Mantell beim Fernsehsender Hamburg1. „Mein Eindruck ist: Sie haben sich nicht informiert. (…) Und dann muss man auch darüber nachdenken, was denn eigentlich das Verhältnis zwischen unserer parlamentarischen Demokratie ist und was Volksentscheide anbelangt.“ Und weiter: „Ich kann das sagen, auch wenn ich hier als Sportbundpräsident bin, aber ich habe früher gekämpft für direkte Demokratie. Ich habe das Gefühl, wir müssen darüber nachdenken, ob nicht der Eindruck entsteht, als ob die direkte Demokratie eine rationalere Entscheidung ermöglicht als der abwägende, transparente Prozess in den Parlamenten. Diese Entscheidung hier war eine, die war nicht rational geprägt, sondern sie war aus dem Bauch geprägt, aus einer Antihaltung gegenüber allem, was der Staat macht, und das macht mich traurig.

[Quelle: http://fairspielen.de/nach-dem-olympia-aus-hamburger-sportchef-beschimpft-waehlerinnen-als-uninformierte-irrationale-bauch-buerger/]

Ich war ganz schön sauer über diese Aussage. Die so ähnlich auch in anderen Kommentaren zum Ergebnis des Referendums vorkam. Meiner Logik entspricht das nicht. Wie ich schon vor drei Tagen in Warum ich gegen #Olympia2024 gestimmt habe schrieb, habe ich selbst überlegt, ob es ok ist, Olympia in Hamburg auszurichten, wenn es mich selbst rein gar nicht interessiert, aber andere etwas davon haben. Und dann kam eben das Informieren, was mich zum Nein gebracht hat. Ich persönlich könnte mir aber gut vorstellen, dass es zu einem Ja viel schneller kommt, so in der Art: „Ach ja, der olympische Gedanke, schön, sollen sie gerne machen“. Aber das ist wahrscheinlich genauso voreilig gedacht, wie von Herrn Mantell, der nach meinem Eindruck das Pispers-Zitat aus dem Bild am Anfang dieses Posts ziemlich gut verkörpert (nur dass es nicht um eine Kanditatur um Parteiposten, sondern um die Wahl zwischen zwei anderen Alternativen geht).

Wie dem auch sei, möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn das Hamburger Nein so deutlich gewesen wäre die das Ja in Kiel. Dann müsste man sich vielleicht weniger ärgern wegen des knappen Ergebnisses. Vielleicht ist es aber auch gerade gut, dass Ja und Nein so nah beieinander lagen, denn das bedeutet m.E., dass die Tür nicht vollkommen zu ist. Möglicherweise reichen ja vergleichsweise kleine Änderungen am Olympia-Konzept bzw. den Organisationen des IOC/NOC selbst, und einige Gegner lassen sich umstimmen? Vielleicht durch etwas Stadt-freundlichere Host City Verträge. Was das ist? Schaut doch einfach mal in folgendes Video von ONKeL fISCH:

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