Mein kleiner Beitrag zum Thema „Flüchtlinge“ #BloggerFuerFluechtlinge

Logo Blogger für FlüchtlingeIch habe lange überlegt, ob ich zu diesem Thema überhaupt etwas bloggen soll. Denn a) hat mein Blog keine sonderlich große Reichweite und b) nach allem, was ich an Kommentaren im Netz so gesehen habe, ist die Atmosphäre so vergiftet, dass ich eh niemanden erreiche oder überzeuge, der nicht eh schon in meiner Filterbubble steckt und ähnlich denkt.

Warum ich nun aber doch schreibe: ich möchte nicht zu der schweigenden Mehrheit gehören, von der man nicht weiß, wie sie tickt. Ich möchte nicht, dass das Feld allein denen überlassen ist, die am lautesten schreien oder Menschen mit abweichender Meinung am krassesten anfeinden.

Aber zunächst muss ich ein bisschen ausholen… Ende letzten Jahres war ich sehr enttäuscht. Die Nachrichten waren gefüllt mit Bildern von Pegida-Demonstrationen, die in Dresden an mehreren Terminen über 10.000 Teilnehmer mobilisieren konnten. Was da an Argumenten kam, fand ich überhaupt nicht nachvollziehbar. Zumindest nicht, dass man deswegen gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“ protestieren muss. Neben hanebüchenem Quatsch ging es oft darum, dass es den Leuten nach eigenen Angaben nicht gut ginge und sie nicht viel hätten. Aber dann hätten diese Leute doch mal ihren Arsch hochkriegen sollen, als z.B. für Umfairteilen demonstriert wurde. Ich war da teilweise mit gerade mal 100 anderen auf der Straße und hätte mich über so eine Mobilisierung wie in Dresden echt gefreut. Und ich bin weiterhin davon überzeugt, die meisten der „besorgten Bürger“ wären dort inhaltlich deutlich besser aufgehoben gewesen…

Nun sind wir grob ein halbes Jahr weiter und die Flüchtlinge kriegen den geballten Hass ab. Und wieder die ewig gleiche Leier von „Das Boot ist voll!“, „Wieso haben die eigentlich alle Smartphones?“, „Die wollen doch nur das Willkommensgeld einsacken!“, „Warum kriegen die überhaupt Geld und auch noch so viel. Das kriegt man mit Hartz IV noch lange nicht“ gepaart mit den abstrusesten Gerüchten und vor allem mit völlig übertriebenen, falschen und natürlich unbelegten Zahlen. Ich nutze Facebook ja nur alle Sieben Pfingsten, habe da in einem Thread bei ein paar völlig überkandidelten Kommentaren die Zahlen korrigiert und auf Offensichtliches hingewiesen, aber das hat mir echt schon gereicht. In Facebook-Kommentaren sehe ich nicht, wie man da Land gewinnt.

Selbst wenn dort jemand mit dem echt sachlichen Artikel Flüchtlinge und teure Smartphones: Hetze ohne Fakten versucht, die hochgeschaukelten Falschbehauptungen zu korrigieren, hat das nur zur Folge, dass sich alle auf den Satz stürzen, dass Flüchtlinge ein Taschengeld bekommen. Mein Eindruck ist, dass ein großer Teil der Kommentatoren den Flüchtlingen JEDEN Betrag größer 0€ zum Verrecken nicht gönnt. Ich habe auch das Gefühl, dass sehr viele davon ausgehen, dass es in Syrien, Afghanistan, Mali, Libyen etc. schon immer so ausgesehen hat wie jetzt nach/im (Bürger-)Krieg bzw. dass sie aus der Steinzeit nie herausgekommen sind. Lesen die Leute nur Bild? Reicht der Horizont maximal bis zum nächsten McDonald’s oder zur nächsten Kneipe? Es kann sich sicher auf kaum einer vorstellen, dass z.B. in Afrika Bezahlung per Handy total normal ist, wie schon 2008 bei heise gemeldet wurde: Geld gegen SMS – In Schwellenländern ersetzt das Mobiltelefon die Bank.

Leider Gottes hab ich es deshalb halbwegs aufgegeben, im Netz darüber diskutieren zu wollen. Ich hab mich eher auf – ein ganz klein wenig – Hilfe vor Ort beschränkt und der lokalen Kleiderkammer meine Kartons vom letzten Umzug, die gesammelten Wacken-Beutel und Ohropax der letzten Jahre und ein paar Euros gespendet. Und weil ich kein Auto habe, habe ich sehr von der Hilfsbereitschaft anderer bei Twitter profitiert. Sehr spontan und kurzentschlossen passte ein Transportangebot mit meinem Bedarf an etwas Größerem als einem Carsharing-Smart zusammen. Wie man auch hier lesen kann: Hamburg hat ein großes Herz! #refugeeswelcome.

Im übrigen glaube ich daran, dass sich die Zahl von Flüchtlingen irgendwann noch weiter erhöhen wird, nämlich wenn sich die ganzen Klimaflüchtlinge in Bewegung setzen. Allein dass der Zugang zu sauberem Wasser in vielen Gegenden ein Problem ist, wird wohl dafür sorgen, dass die Leute irgendwann dorthin wollen, wo es Wasser gibt. Den Gedanken hatte ich schon vor vielen Jahren, noch vor meiner Twitter-Zeit, sonst könnte ich den passenden Tweet jetzt wieder rauskramen. Und dann wird wieder denjenigen die Schuld gegeben, die aus reiner Not heraus da hin gehen, wo es besser ist. Und wieder werden diejenigen gegeneinander ausgespielt werden, die wenig bis gar nichts haben (derzeit z.B. „kein Geld für Pflegestreik, die Flüchtlinge sind so teuer“). Dass von dem Schema nicht abgewichen wird, dafür sorgen schon die Medien wie aktuell in diesem Beispiel: ZDF zum neuen Labour-Chef: „Er gilt nicht nur Konservativen als linker Spinner“.

Advertisements

One Response to Mein kleiner Beitrag zum Thema „Flüchtlinge“ #BloggerFuerFluechtlinge

  1. brackmeister says:

    Ich wollte noch einen Artikel nachliefern: „Verwüstung – Wie der Klimawandel Konflikte anheizt“ http://monde-diplomatique.de/artikel/!5226453
    Äußerst lesenswert!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: