Wegwerfstrom? Ernsthaft?

Dieser Post liegt schon lange als Entwurf rum, aber bisher fehlte die Motivation, das auszuformulieren um es zu veröffentlichen. Aber heute sah ich in meinem WordPress Reader folgenden Artikel:  E-Auto an der Laterne aufladen in Berlin. Ich nehme das als Anlass, meinen Entwurf zu finalisieren 😉

Es ist schon eine Weile her, dass auf ARTE eine Doku am Themenabend „Energiewende“ lief, in welcher der Begriff „Wegwerfstrom“ gefallen ist. Es ging um Strom aus Sonnen- oder Windenergie, der keinen Abnehmer findet, weil die Nachfrage schlicht nicht immer da ist, wenn sehr viel Wind/Sonne herrschen.

Mein erster Gedanke war: „Mein Gott, dann soll man halt E-Autos kostenlos tanken lassen, wenn’s noch nicht ausreichende Speichermöglichkeiten für den Strom gibt“.

Noch gibt es wohl nicht genug E-Autos, damit das im großen Stil funktioniert. Und wahrscheinlich springt niemand ins Auto und fährt bis zur nächsten E-Tankstelle, nur weil gerade die Sonne stark scheint. Aber wenn der Wagen eh den Tag über auf dem Firmenparkplatz oder in der eigenen Garage steht, kann der genauso gut gleich aufgeladen werden, wenn zu viel Strom da ist. Um es einfach zu machen sollte der Halter einstellen können, dass nur automatisch getankt werden soll, wenn der Strom gerade kostenlos ist, oder er gibt eine Preisschwelle an, ab der aufgetankt werden soll, evtl. kombiniert mit einer Preisobergrenze. Dann ist der Wagen voll, wenn man fahren will.

Gut, die Idee ist nicht neu, ich habe sie an anderer Stelle schon aufgeschnappt, nur kam es mir dann immer so vor, als seinen E-Autos als Zwischenspeicher gedacht. Dann würde der Strom-Besitzer diesen eben später wieder abziehen, wenn er benötigt wird. Bei den kurzen Reichweiten von E-Autos scheint mir das aber nicht praktikabel, wenn man als Halter nicht weiß, ob der Ladestand nur temporär gilt, weil der eigene Wagen als Überschuss-Speicher verwendet wurde.

Aber meinetwegen können es auch E-Busse des ÖPNV sein, die mehr Speicherkapazität haben und vielleicht eher eine Vorreiterfunktion übernehmen können. Vor kurzem erst habe ich gesehen, dass E-Busse in Kürze z.B. in Hamburg rumfahren. Die werden zwar vorrangig nachts geladen, aber auch während der Pausen tagsüber. Wobei die Pausen natürlich nur mit Glück in die Zeiten fallen, wo Strom im Überfluss da wäre. Aber möglicherweise gibt’s da noch weiterführende Ideen. Es sind ja sicher auch nicht immer alle Busse unterwegs, sondern stehen auch am Tag im Depot.

Wenn man das Ganze noch weiter spinnt, könnte man Handy-Besitzer ihre kleinen Schmuckstücke kostenlos aufladen lassen. Auch hier steht und fällt das Ganze natürlich damit, wie bequem es den Leuten gemacht wird, ein solches Angebot auch tatsächlich zu nutzen.

Letzten Endes wird man ab einem bestimmten Punkt aber auch bei der Frage nach der Vergütung ankommen. Strom nicht „wegzuwerfen“ sondern zu verschenken ist ja schön und gut, aber die Betreiber von Solar- und Windanlagen haben gutes Geld investiert und sind wahrscheinlich etwas zurückhaltend bei der Frage, ob sie Strom verschenken wollen.

Das war bisher aber nur eine von den zwei  Möglichkeiten, mit dem „Wegwerfstrom“ umzugehen.

  • Energie speichern
  • Ad-hoc Nachfrage generieren

Zur Generierung von ad-hoc Nachfrage hab ich jetzt nicht so die Ideen. Grundsätzlich vielleicht Numbercrunching im Dienste Aller. Da ist dann die Frage, welche Projekte für verteiltes Rechnen wirklich was bringen. SETI@Home wird wahrscheinlich den meisten zu viel Spielkram sein, aber Simulationen für die Medizin könnten brauchbare Ergebnisse liefern.

Ansonsten gibt es ja immer wieder Beispiele für das Smart-Home, wo dann die Waschmaschine oder der Rasenmäher mit ihrer Arbeit anfangen, sobald der Strom billig ist. Da ist man aber schnell bei den Gegenargumenten, dass keiner Lust auf den röhrenden Rasenmäher hat, wenn man bei bestem Sonnenschein im Garten seine Ruhe haben will. Oder dass bei günstigem Nachtstrom die loslegende Waschmaschine einen vom Schlafen abhält. Vielleicht ist hier aber auch wieder der Schlüssel, das im Großen anzugehen. Die Waschküche im Keller eines großen Mietshauses stört vielleicht keinen so wie es die Waschmaschine in kleinen Wohnungen täte.

Nur mal so ein paar Ideen…

P.S.: zu Großspeichern von Öko-Strom gibt es auch Fortschritte, siehe z.B. „Flautensicher: Windenergie wird speicherbar“ beim NDR.

[Nachtrag 16.11.2013] In dem Technology Review Artikel „Das NP-Problem der Elektromobilität“ geht es um die mathematischen Herausforderungen, vor denen man steht, wenn man ein Netz von Ladestationen für E-Mobilität errichten will. Wer möchte, kann sich auch bis zu dem Paper von Lam, Albert et al.: „Electric Vehicle Charging Station Placement: Formulation, Complexity, and Solutions“ durchklicken.

[Nachtrag 28.11.2013] Ab 2014 heißt es in einem Projekt, das bis 2015 in Leipzig laufen wird, „Straßenlaternen sollen Elektroautos aufladen

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Berlin, bitte Nachmachen: JA zum #Volksentscheid!

3.11. Volksentscheid - Klar, bin ich dabei!

Leider konnte ich zum morgigen Berliner Volksentscheid über die Gründung eines Stadtwerkes und den Rückkauf des Stromnetzes von Vattenfall nicht so viel bloggen wie im Vorfeld des Volksentscheids zum Netzerückkauf in Hamburg, der parallel zur Bundestagswahl stattfand und knapp gewonnen wurde.

Aber einen Tag vorher möchte ich den Berlinern die Daumen drücken, dass die benötigten 620.939 JA-Stimmen morgen zusammenkommen!

Wer sich noch informieren will oder unschlüssig ist, dem empfehle ich ganz allgemein die Webseite vom Berliner Energietisch. Ein aktueller Kommentar auf ZEIT online mit dem Titel „Bürger, kauft das Stromnetz!“ schreibt:

Vielleicht der wichtigste Grund, zum Vorschlag des Berliner Energietisches Ja zu sagen, ist aber der demokratische Einfluss, den er den Bürgern bei Stadtwerk und Netzgesellschaft eröffnet. Sie sollen Anhörungen herbeiführen können; geplant sind Bezirksversammlungen zur Energiepolitik und eine Ombudsperson, an die sich jeder Kunde oder Ideengeber wenden kann. So viel Mitbestimmung und Transparenz kann nicht nur Filz und Trägheit vorbeugen, die viele Bürger bei einem öffentlichen Unternehmen befürchten.

Da in Berlin der Volksentscheid nicht zeitgleich mit der Wahl stattfindet, ist es wichtig, sich morgen bis 18:00 aufzuraffen, damit nicht nur die Mehrheit dafür stimmt, sondern auch das Mindest-Quorum erfüllt will. Oder wie Christian Ströbele es ausdrückt:

Und auch der Berliner Wassertisch hat noch einen Tipp parat

Und wem das vielleicht zu viel zu lesen ist und den Spot noch nicht kennt: