Kleine Anmerkung zu „Die Explosion der Ungleichheit“

Ich habe vor kurzem den Artikel „Die Explosion der Ungleichheit“ von Hans-Ulrich Wehler in Ausgabe 4’13 der Blätter für deutsche und internationale Politik gelesen.

An zwei Stellen komme ich nicht ganz mit bzw. hätte gerne noch ein Wort oder zwei mehr gehabt. Und zwar erstens bei

[…] von den exorbitanten Kosten der deutschen Osterweiterung, die jährlich in der Höhe von mehr als hundert Milliarden Euro anfallen, ganz zu schweigen.

[Seite 48, Mitte]

Woher kommt die Zahl? Was genau verbirgt sich dahinter?

Und die zweite Stelle, bei der ich mich prompt frage „Ist das so?“ bzw. „Woher weiß man das?“

Erst danach [Anm.: nach 2020] wird die Erbmasse deutlich zu schrumpfen beginnen.

[Seite 54, Mitte]

Woran soll das liegen? Unter welchen Annahmen? Hier gibt es zwar eine Fußnote, die verweist aber auf 5 Quellen und bezieht sich anscheinend auf den ganzen Absatz.

Ziemlich klar dagegen finde ich den Satz

Deutschland schont mithin den Besitz, belastet aber das Erarbeiten von Wohlstand.

[Seite 55, Mitte]

Dieser ist eingebettet in jede Menge Beispiele, was wie stark besteuert wird bzw. wie viel Steueraufkommen je nach Steuerart zustande kommt. Natürlich auch im Vergleich zum OECD-Mittel.

An dem Satz bin ich besonders hängen geblieben. Eigentlich bedeutet er doch, dass es keine effektive Chancengleichheit gibt. Wer den Vorsprung einmal hat, muss weniger Aufwand treiben, um ihn zu halten, als derjenige, der die Lücke schließen will.

Advertisements

Neuer Stand der Unterschriften bei der europäischen Bürgerinitiative “Wasser ist ein Menschenrecht” #right2water

Auf der Seite des Berliner Wassertischs gibt es neue Zahlen zum Unterschriftenstand vom 2.4.

Weiterhin ist das Quorum bisher nur in 5 Staaten erreicht. Folgerichtig heißt es auf obiger Seite

Daher die Bitte an alle, die Kontakt zu Bürgern in anderen europäischen Staaten haben, diese zu nutzen, damit dort weitere Unterschriften hinzukommen. Dabei sind die Länder besonders wichtig, die schon über 50% des Quorums erreicht haben.

[Quelle: http://berliner-wassertisch.info/ebi-right2water-eu-neue-zahlen-der-unterschriftensammlung/]

Ganz konkret sind das

Land

Quorum erreicht zu

Finnland

64%

Italien

63%

Litauen

82%

Luxemburg

73%

Spanien

55%

Zypern

52%

Im amtlichen Register bei der Europäischen Kommission ist die Frist für die Unterschriftensammlung mit dem 1.11.2013 angegeben.

Die Piraten, der Metal und das Urheberrecht

In Ausgabe 310, März 2013 der Musikzeitschrift RockHard ist sein 6-seitiger Artikel mit dem Titel „Der Tod ist gar nicht so schlimm! Diskussionsrunde zur Zukunft der Musik“ erschienen. Aufmacher war

Es war neben den üblichen Politiker-Fettnäpfchen und weltweiten Gewaltorgien das Medienthema Nummer eins: Der digitale Wandel bescherte uns 2012 Schlagzeilen über Urheberrechte, Demonstrationen für freies Filesharing, die Piratenpartei, Kim Schmitz, Streaming-Dienste, Wutreden von Künstlern und die ersten Zusammenbrüche von Zeitungsredaktionen.

[Quelle: http://www.rockhard.de/megazine/heftarchiv/rh-310/kolumne/der-tod-ist-gar-nicht-so-schlimm.html]

Der Herausgeber des Hefts, Holger Stratmann, hat mit 5 Personen aus Musik, Business und Politik zu dem Thema diskutiert. Als da wären:

  • Rene Bogdanski (Gitarrist The Very End, Agentur SocialMediaKonzepte)
  • Kai Hansen (Sänger/Gitarrist Gamma Ray, Unisonic)
  • Antje Lange (Europa-Chefin Century Media)
  • Daniel Neumann (Piratenpartei NRW)
  • Manfred Tari (Herausgeber Pop100)

Das ganze gibt es auch als Stream in zwei Teilen mit insgesamt ca. einer Stunde Laufzeit unter http://www.rockhard.de/tv.html und gleich hier einen 4 minütigen Trailer:

Ich habe mal kurz im Netz gesucht, viel Beachtung scheint das nicht bekommen zu haben (oder ich habe nicht lange genug die Suchbegriffe optimiert). Es gibt im Wesentlichen nur die Ankündigungen, dass das Magazin einen Kanal bei putpat.tv startet mit eben dieser Diskussionsrunde, z.B. bei der Wirtschaftsförderung Dortmund oder eben bei Pop100. Und sogar in englischer Fassung beim Rockstudies Blog.

Schade eigentlich, denn ich finde, das ist eine gute Plattform, die verschiedenen Mitspieler mal zusammenzubringen. Und genau das hatte ich mal so in deren Leserbriefen geschrieben als Antwort auf jemanden, der seinerseits einen Leserbrief geschrieben (in Ausgabe 301) und da ziemlich auf die Piraten „eingedroschen“ hat … ohne zu erwähnen, dass er selbst bei einem Medienunternehmen arbeitet. Das klang mir bei Sätzen wie „deren gesamtes Parteiprogramm auf dem Rücken der Kreativindustrie ausgetragen wird“ doch arg drastisch. Wer Böses vermuten möchte, könnte da m.E. sogar eine gewisse Portion FUD unterstellen.

Kommen wir zu der – erstmal kurzen, da ich nur den Text gelesen aber die Stunde Videomaterial noch nicht angeschaut habe – Kritik an dieser Diskussionsrunde… Selbst auf 6 Seiten bzw. effektiv 5 wegen der Werbungsanzeigen kam mir das recht oberflächlich vor. Zum Beispiel wird darauf hingewiesen, dass Daniel Neumann „maßgeblich an einem Positionspapier der Piraten zum Urheberrecht mitgewirkt“ hat, verlinkt wird aber leider nur die Homepage der Piraten und nicht das Positionspapier selbst. Sehr schade, zumal zu dessen Inhalt im Text wenig steht.

Und auf der anderen Seite bleibt die Business-Seite in meinen Augen viel zu unkonkret. Gut, man kann schlecht erwarten, dass ein Bandchef wie Kai Hansen oder die Europa-Chefin eines Plattenlabels wie Antje Lange die Finanzen der Band bzw. Firma offenlegen. Aber wenn schon von Spotify und Youtube geredet wird, hätte ich es extrem hilfreich gefunden, mal ein paar Zahlen zu hören, z.B. was „man“ so am Ende an einem Song verdient, wenn man den physikalisch/bei iTunes verkauft oder bei Spotify streamt. Oder um welche Beträge GEMA und Youtube streiten und vor allem, wie das in anderen Ländern geregelt ist, wo man nicht ständig diese „Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar“ und ähnliche Hinweise bekommt (betrifft hierzulande übrigens 60% der Top-Videos…).

Beispiele dazu kenne ich aus der Computerzeitschrift c’t wie u.a. in einem Artikel aus der Ausgabe 12/2004 mit dem Titel „Fair, fairer, fünfzig – Der richtige Preis für den legalen Musik-Download„. Dummerweise sind ausgerechnet die Grafiken online nicht verfügbar, an denen man die Erlösaufteilung schön hätte sehen können. Gezeigt werden die Varianten „CD-Album mit einem Verkaufspreis von 15 Euro“, „Download-Preis von 1,49 Euro am Beispiel der Branchenplattform PhonoLine“ und „50-Cent-Download: ohne GEMA-Kosten durchaus ein gangbarer Weg“. Das Thema wird also schon lange verfolgt. Wer neuere Zahlen will, wird natürlich auch fündig, z.B. hier unter „Spotify: gut, böse – oder was ist fair?“ im PopBlog der TAZ.

Und zuletzt noch ein Wort zu Kai Hansen, der im Artikel und im Trailer für mich so rüberkam, als hätte er von der Thematik recht wenig Ahnung. Ich mache das fest an seiner Wortwahl („Zipping“, „Zapping“; zumindest sind das die Fantasie-Worte, die ich meine rausgehört zu haben) oder dem Vorschlag, dass „Google oder YouTube pro Klick bezahlen müssten“. So weit ist man ja schon längst, man streitet sich „nur noch“ um die konkrete Ausgestaltung bzw. konkrete Vergütungshöhen. Oder die Aussagen zu den Zeitschriften, die beschreiben „wie man am besten rippen und brennen kann. Das ist so, als wenn ich den Leuten erkläre, wie ich am besten die Balkontür der Luxusvilla aufkriege.“ Ich würde es ja schon fast eher mit Literatur zur Steueroptimierung vergleichen („Die XXX besten Steuertricks“). Zunächst mal legitim, aber irgendwann überschreitet man die Grenze zur Ausnutzung auf Kosten von anderen.

Aber gut, er verdient seine Brötchen – ich ja auch – mit anderen Dingen als den Business-Aspekten. Von daher ist es vielleicht sogar recht gut, dass man mal eine Idee davon bekommt, wie breit das Spektrum derjeniger ist, die da ein Wörtchen mitzureden haben.