Nachtrag zur Privatisierung der Wasserversorgung (#right2water)

Dies ist ein Nachtrag zu meinem letzten Posting „Wasserversorgung privatisieren?„.

Ich persönlich trinke gerne Leitungswasser direkt aus dem Hahn. Sowohl zuhause als auch auf Arbeit. Und beim Sport gibt’s ebenfalls Leitungswasser, dort aber aus einem Wasserspender mit Festwasseranschluss. Das alles reicht mir vollauf und schmeckt halt so wie es soll. Bei Reisen ins Ausland wird ja z.T. vor dem dortigen Wasser aus der Leitung gewarnt. Und selbst wenn nicht, aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das durchaus mal eine ziemliche „Plörre“ sein kann, die penetrant nach Chlor schmeckt. Und wer will schon Wasser trinken, bei dem man das Gefühl hat, man säuft aus dem Schwimmbad?

Auch wenn der aktuelle Stand der Initiative bei ca. 1.008.000 liegt – wie stets aktuell auf http://www.right2water.eu/de nachzulesen ist – halte ich es dennoch für sinnvoll, weitere Unterschriften zu leisten, weil man davon ausgehen kann, dass es auch einen gewissen Anteil ungültiger Stimmen gibt. Je größer der Puffer, desto besser zum Erreichen des Ziels von 1 Million gültiger Stimmen. Desto klarer das gesendete Signal.

Zusätzlich zu den Informationen und Hinweisen aus meinem letzten Artikel habe ich noch weiteren Lesestoff zu dem Thema zusammengetragen.

Am 13.12.2012 lief ein ca. 9 minütiger Beitrag bei Monitor unter dem Titel „Geheimoperation Wasser: Wie die EU-Kommission Wasser zur Handelsware machen will„. Unter diesem Link findet sich sowohl das Video der Sendung als auch eine komplette Mitschrift des Beitrags. Interessant finde ich da z.B. die Aussage von Michel Barnier, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, die man auch so verkürzt zusammenfassen könnte: „Es ändert sich nichts, aber wir brauchen die neuen Regeln.“ Da fragt man sich natürlich, wozu 😉

Die Stadtwerke Karlsruhe scheinen nicht daran zu glauben, dass die geplante Richtlinie keine negativen Auswirkungen hat, und ruft zur Unterstützung der Initiative „Wasser ist ein Menschenrecht auf. Der Berliner Wassertisch fordert „Wasser darf kein Spekulationsobjekt werden“. Hamburg Wasser äußert sich bisher nicht zu dem Thema auf seiner Webseite, weist aber unter „Aktuelles“ (08.2012) darauf hin, dass die deutschen Verbraucher ein großes Vertrauen in ihre lokalen Trinkwasserversorger hätten, und verweisen somit auf eine Studie des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), in der es u.a. heißt:

90 Prozent der deutschen Verbraucher sind mit der Qualität ihres Leitungswassers zufrieden, 86 Prozent zählen es zu den saubersten im europäischen Vergleich.

[Quelle: Pressemitteilung 78/12]

Etwas weiter wird der Bogen gespannt im Artikel „EU-Bürger wehren sich gegen Kommerzialisierung des Wassers“ auf den NachDenkSeiten, wo es trotz des Titels sehr global zugeht, und u.a. die Rolle von IWF, Weltbank und WTO angesprochen wird. Auch geht der Artikel auf Public-Private-Partnership (PPP) Modelle ein.

Womit wir beim Film „Bottled Life“ wären, der ergänzend zu „Water Makes Money“ aus dem letzten Artikel (hier bei YouTube) auch sehr sehenswert ist. Hier wird u.a. gezeigt, wie im Prinzip das Leitungswasser amerikanischer Kommunen zur Premium-Marke umfunktioniert wird und den Kommunen die Kontrolle über ihre Quellen abhanden kommt.

Wieder zurück zu dieser Seite des Atlantiks… In der Wikipedia ist recht ausführlich der Fall des Volksentscheids über die Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben dokumentiert.

Und über die Krisenländer Griechenland und Portugal wird berichtet, dass dort die Privatisierung wieder etwas Geld in die klammen Kassen bringen soll. Nur frage ich mich spontan, wenn man z.B. aus einer Notlage heraus sein Haus schnell verkaufen muss, kriegt man doch tendenziell nicht den vollen Wert heraus. Warum sollte das beim Verkauf von städtischen Einrichtungen in so einer Situation besser sein? Und irgendwann hat man doch mal all sein Tafelsilber verramscht. Allerspätestens dann ist Privatisierung doch keine Option mehr…

Advertisements