Politiker auf dem falschen Fuß erwischen

Der ein oder andere erinnert sich noch an die Sendung „Klipp & Klar: Berlin-Wahl 2011: Die Herausforderer“ vom 01.09.2011 im rbb, wo sich die kleinen Parteien vor der Wahl präsentieren konnten. Die Antwort  des Berliner Spitzenkandidaten der Piratenpartei Andreas Baum auf die Frage, wie hoch die Schulden des Landes Berlin aktuell seien, wurde nur zu gerne in der Berichterstattung aufgegriffen: „viele Millionen“ statt der korrekten „rund 63 Milliarden“. Er hat’s also nicht gewusst und auch noch recht schlecht geraten…

Das ist nun aber nicht wirklich etwas Neues, dass man Politiker zu Themen fragen kann, bei denen sie sich alles andere als mit Ruhm bekleckern, wenn sie versuchen, ihr Unwissen zu kaschieren. Zum Beispiel bei Themen, die man eher den Piraten zuschreibt, gaben sich Politker aus der ersten Reihe ziemlich ahnungslos im ARD Morgenmagazin im Juni 2007 beim Beitrag „Kinderreporter: Politiker im Internet„. Unvergessen der Satz der damaligen Bundesjustizministerin Zypries: „Browser? Was sind denn jetzt nochmal Browser?“

Gut, das ist lange her und man mag das Thema für weniger wichtig halten als die Landesfinanzen des Landes, in dem man Abgeordneter werden will. Aber es gibt da auch noch ein etwas neueres Beispiel, nämlich aus der ARD Panorama-Sendung vom 29.09.2011 mit dem Titel „Ahnungslose Abgeordnete: Rettungsschirm? »Irgendwie teuer…«„. Gefragt wurden am Tag der Abstimmung über den EFSF-Rettungsschirm z.B. wie hoch der Anteil Deutschlands sei und welche Länder bereits Kredite erhalten hätten. Antworten der Art „Na ja, wir haben im Moment, äh…, nein, ich möchte dazu lieber nichts sagen.“ oder „Nee, …Milliarden?“ finde ich jetzt nicht wirklich souveräner als die Vorstellung von Andreas Baum. Aber gut, hier geht es ja „nur“ um Abgeordnete, die schon entscheiden dürfen, nicht um jemanden, der erst noch kandidiert, um irgendwann mitentscheiden zu können 😉

Merke: nicht jeder Politiker kann sich mit allem auskennen und es wird wohl auch kein Politiker in der Lage sein, alle Drucksachen komplett zu lesen und zu verstehen, über die er am Ende entscheiden muss. Solche Auftritte werden uns auch in Zukunft immer wieder begegnen.