10 Jahre Riester – kein überzeugender Erfolg

Gestern lieft im ZDF eine Folge von Frontal 21, bei der es unter anderem um die Riester-Rente ging. Eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hat ergeben, dass Riester-Verträge von 2011 deutlich weniger Rente ergeben als entsprechende Verträge aus 2001.

Wir erinnern uns: aufgrund der demografischen Entwicklung sei die gesetzliche Rente nicht mehr ausreichend. Und es sei zwingend notwendig, privat vorzusorgen.

Die Vergleichsrechnungen der o.g. Studie zur Riester-Rente zeigen zwei wesentliche Dinge:

  1. Der Garantiezins ist von 3,25% auf 2,25% gefallen
    Folglich gibt es weniger Rente bei gleicher Einzahlung. Quasi eine Absenkung des Rentenniveaus.
  2. Rücklagen für die Rente ab 85 steigen von 12,8% auf 28,3%
    Da die Riester-Rente lebenslang gezahlt werden muss, werden Rückstellungen gebildet, so dass bei Rentenbeginn weniger Kapital zur Verrentung zur Verfügung steht. Der Anstieg den Anteils für diese Rückstellungen liegt an aktualisierten Sterbetafeln. So geht die aktuelle Sterbetafel DAV 04 R von einer Lebenserwartung für den Modellkunden (heute 35) von 95 Jahren aus. Dies hat zur Folge, dass die Höhe der Rente abnimmt, weil das Geld länger reichen muss.

Nicht in der Studie genannt, aber vielleicht auch interessant (und beim BMF nachzulesen unter Nr. 51) ist die Tatsache, dass der prozentuale Anteil am rentenversicherungspflichtigen Einkommen, der aufgewendet werden muss, um die maximale Förderung abzugreifen, in mehreren Schritten von 1% (seit 2002) auf 4% (seit 2008) gestiegen ist.

Wie die Zeitschrift Finanztest im Artikel „Zum Plus geht es per Zulage“ (Heft 9/2010, S.26ff) oder die Zeitschrift Ökotest in „Reise ins Labyrinth“ (Heft Juni 2011) berichten, sind die Kosten von Riester-Verträgen oft so hoch, dass sie die gesamten Zulagen auffressen (auch nach 10 Jahren Riester gibt es Verträge mit Kosten, die etwa dem 10-fachen der Kosten in der gesetzlichen Rente entsprechen). D.h. wenn man sich die Zulagen durch zu geringe Einzahlungen durch die Lappen gehen lässt, zahlt man effektiv drauf. Es handelt sich also quasi um eine Anhebung des Rentenbeitrags um mittlerweile 4%. Bei der gesetzlichen Rente sollte eine Anhebung des Beitrags übrigens vermieden werden.

Wenn man also die Situation von heute mit der vor 10 Jahren vergleicht, sieht man zweierlei: bei den Riester-Renten ist das Rentenniveau gesunken, eine Maximalförderung muss man sich mit einer effektiven Beitragsanhebung erkaufen. Die private Vorsorge reagiert offensichtlich auf die gleiche Weise auf den demografischen Wandel wie die gesetzliche: Renten runter oder Beiträge rauf.

P.S.: Um noch einmal auf Frontal 21 zurückzukommen: in der Sendung wurden die hohen Kosten von Riester-Verträgen u.a. dadurch illustriert, dass für wenige Anbieter die garantierten Renten aus einem Riester-Produkt mit denen eines ungeförderten Produktes verglichen wurden. Leider wurden die Zahlen nicht weiter kommentiert. Ein Teil der Kosten ist sicher deshalb höher, da bei der Riester-Rente zu Beginn des Auszahlungszeitpunktes das eingezahlte Kapital garantiert werden muss, was bei ungeförderten Rentenversicherungen nicht der Fall sein muss. Das macht einen Unterschied, wenn man in der Anfangsphase, in der die Kosten von den Einzahlungen abgezogen werden, den Vertrag beitragsfrei stellt. Ohne Riester ist das verfügbare Kapital dann erst einmal geringer als die geleisteten Einzahlungen. Eine solche Garantie kostet halt und ist bei der Riester-Rente vorgegeben.

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One Response to 10 Jahre Riester – kein überzeugender Erfolg

  1. Pingback: Was soll das eigentlich mit der #Deutschlandrente? | brackmeister

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