Die Krise in Zahlen

Auf den NachDenkSeiten schreibt Jens Berger zwei lesenswerte Artikel zur derzeitigen Krise: „Die Eurokrise in Zahlen (I) – Wie Musterschüler zu Problemkindern wurden“ und „Eurokrise in Zahlen (II) – Krisengewinnler Neoliberalismus„. Dort gibt es einige Grafiken und Tabellen, die Zahlenmaterial zu Staatsschulden, Höhe des Zinsdienstes, Rendite der Staatsanleihen, etc. und deren Verlauf (insbesondere vor und seit der Krise) für einige europäische Länder. Er geht der Frage nach, warum bei manchen Staaten die Krise zuschlägt und bei anderen nicht oder zumindest deutlich weniger, obwohl die Zahlen nicht so verschieden sind. Man könnte das Ganze knapp zusammenfassen, dass der Zinsdienst durch Spekulation in die Höhe getrieben wird, u.a. weil den betroffenen Staaten das Mittel der Abwertung einer eigenen Währung nicht zur Verfügung steht. Auf den europäischen Binnenmarkt und die gemeinsame Währung geht auch Gregor Gysi in einer Rede mit dem Titel „Schwarz-Gelb hängt an klein karierter Ideologie“ ein. Viel zu lesen, aber gut, wenn man sich auch den unteren Teil des Eisbergs beschäftigen will, von dem nur die Spitze in den Nachrichten Platz findet.

Aus der Realwirtschaft kommen unterdessen weitere Stimmen auf, die den Finanzsektor stärker regulieren wollen, z.B. wie vom Handelsblatt unter „Unternehmer knöpfen sich die Banken vor“ gemeldet. Einige Zitate:

„Da können Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an“, sagte er [Anm.: Franz Fehrenbach, Bosch] am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die Finanzmärkte seien wieder kurz davor, die Weltwirtschaft in eine neue Krise zu reißen.
An eine Rezession glaubt Fehrenbach zwar derzeit nicht. Das Wachstum werde sich verlangsamen, aber es werde nicht zu Ende gehen. Umso deutlicher sprach er sich jedoch für eine schärfere Regulierung der Banken aus: „Wenn es stimmt, was ich lese, dass Goldman Sachs bereits eine Anleitung geschrieben hat, wie man gegen die Euro-Zone mit Gewinn wettet, dann zeigt sich doch, was da für eine Spekulation an den Finanzmärkten im Gange ist.“

[…]

Unterstützung bekommt er dabei von Heraeus: „Wenn zum Beispiel Leerverkäufe verboten werden, finde ich das sehr vernünftig. Schauen Sie, wie mit großen Summen gegen Währungen einzelner Staaten spekuliert wird, ohne dass hinter diesen Geschäften irgendetwas an realen Werten steckt. Das ist nicht nur unglaublich. Das ist vor allem schädlich.“

Nun geht das sicher nicht von heute auf morgen. Leider machen solche Aussagen nicht viel Mut:

Unter der Überschrift „Wachstum wird uns nicht retten“ darf sich Thomas Mirow, Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, in einem Interview mit dem Ökonomen und Journalisten Mark Schieritz auf einer Zeitungsseite über höhere Steuern und die Frage, wie Europa zu helfen ist, ausbreiten. Seine Antworten sind gleich in zweifacher Hinsicht deprimierend: Zum einen zeigt Mirow keine einzige Lösung auf. Zum anderen offenbaren seine einschläfernden Aussagen so viel kalte Ignoranz und Unkenntnis über unsere Gesellschaft, dass es einen graust. Es ist nicht störend, unterschiedlicher Meinung zu sein, im Gegenteil, das zwingt zum Nachdenken; es sind die Sattheit, die geistige Lähmung und das Fehlen jedweder Energie und jedweden Willens, etwas politisch zu gestalten, die so betroffen machen.

So beginnt ein Artikel von Thorsten Hild („Thomas Mirow – ein Paradebeispiel für die bedrohliche Denkfaulheit unserer Elite„), in dem auch wieder einige Zahlen genannt werden, u.a. das Verhältnis von Staatsschulden und Vermögen der privaten Haushalte. Letztere werden ja selten genannt, wenn über die Höhe der Staatsschulden geredet wird. Eine Umverteilung über höhere Steuern oder eine Vermögensteuer wird ja immer gerne damit abgebügelt, dass dies sofort eine Abwanderung zur Folge hätte, und kein Land das erste/alleinige sein will, das sich diesen „Standortnachteil“ aufhalst. In Österreich denkt die SPÖ aber offensichtlich ähnlich wie die SPD hierzulande und fordert eine Vermögensteuer. Zahlen aus dem Artikel bei DiePresse.com:

Die SPÖ forciert die Einführung einer Vermögenssteuer. Würden ihre bisher genannten Pläne umgesetzt, müssten die reichsten 80.000 Österreicher durchschnittlich 25.000 Euro mehr im Jahr zahlen. Dabei müssten sie ein Vermögen von bis zu 740 Milliarden Euro versteuern.

Was bisher von den SPÖ-Plänen bekannt ist: Von der Vermögenssteuer sollen die reichsten 80.000 betroffen sein. Das ist ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Diese 80.000 sollen mit einem Steuersatz zwischen 0,3 und 0,7 Prozent für alle Vermögensanteile über einer Million Euro zahlen. Die erste Million versteht sich als Freibetrag und wird nicht besteuert, sondern erst darüber hinaus gehende Beträge.

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