Linktipp vom 29.08.2011

Diese Leserbriefe hatte ich in der Irish Times entdeckt, es gibt sie auch online

  • In „Has capitalism failed?“ kommentieren zwei Leser den Vorschlag, sich im Westen evtl. an der Art des Chinesischen Kapitalismus zu orientieren. Mir kommt es auf die erste, ausführlichere Entgegnung an: dass man vielleicht nur wieder zu dem zurück muss, was man schon kennt und was funktioniert hat.
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Und wieder die Steuern… [Update]

Im Tagesspiegel wird unter der Überschrift „Das gute Geld der Superreichen“ von 48 sog. Superreichen aus Deutschland berichtet, die gerne mehr Steuern zahlen würden. Einerseits steht im Artikel, dass sich diesem Aufruf jeder anschließen darf, der mehr als 500.000 EUR Vermögen besitzt, andererseits wird 90.000 als Anzahl derjenigen genannt, die mehr als 5 Mio. EUR Vermögen haben. Auf Seite 2 gibt es dann noch ein Beispiel, dass 330.000 Personen betroffen wären, falls 1% Vermögensteuer auf Vermögen größer 1 Mio. angesetzt werden sollten.

Man sieht, die 48 Befürworter stehen leider allein auf weiter Flur, wenn man das mit der Gesamtzahl derjenigen vergleicht, die mitziehen müssten, sollte der Vorstoß wirklich umgesetzt werden. Die NachDenkSeiten kommentieren das dann auch als „Meinung: Lippenbekenntnisse im Sommerloch„. Man könne ja gerne etwas Populäres fordern, wenn man sich sicher sein kann, dass eh nichts daraus wird. Mir würde es schon gefallen, wenn wir herausfinden würden, ob der Vorstoß wirklich ernst gemeint ist…

Aber selbst wenn, man braucht sich ja nur einmal anzugucken, wie aktuell jedes erdenkliche Steuerschlupfloch ausgenutzt wird. Die FAZ meldet z.B. unter „Über Irland Gewinne in Steueroasen schleusen“ aktuell darüber, wie Unternehmen aus 7,9 Mrd. EUR Umsatz einen lächerlichen Gewinn von 45 Mio. EUR errechnen (die Armen müssen mit einer Marge von 0,6% leben…). Mit Moral braucht man da keinem kommen, solange es legal ist, wird’s gemacht. Und selbst bei illegalen Machenschaften besteht immer noch die Chance, nicht erwischt zu werden. Die Frankfurter Rundschau meldet unter „Steuerfahnder-Affäre: Jetzt reden die Fahnder“ Neues zu den 4 im Jahr 2009 zwangspensionierten Steuerfahndern aus Hessen. Über den Fall hatte ich damals schon gelesen und den Kopf geschüttelt darüber, warum man sehr erfolgreiche Steuerfahnder einfach so aus dem Verkehr zieht. „Steuerhinterziehbarkeit“ ist halt auch ein Standortvorteil…

[Update 10.09.2011] In einem Leitartikel schreibt Pitt von Bebenburg unter der Überschrift „Verrückte Gutachten – Der Steuerfahnder-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags gibt den Blick auf die Abgründe unseres Rechtssystems frei.

Linktipps vom 11.08.2011

Auch heute wieder ein paar Links zu Artikeln, die ich für lesenswert halte:

Komische Aussage im Spiegel

Im Artikel zur Titelstory „Geht die Welt bankrott?“ heißt es

Ohne die Schuldenexzesse des vergangenen Jahrzehnts wäre wohl kein Land ernsthaft in Schieflage geraten. Es hat sich gezeigt, dass Schuldenquoten […] von 80, 90 oder mehr als 100 Prozent früher oder später Zweifel an der Kreditwürdigkeit eines Landes aufkommen lassen.

Die ominösen Finanzmärkte sind dabei weder gut noch böse, sie agieren nur vernünftig – und überlassen das ohnehin immer öfter den Algorithmen ihrer Computer, die schneller handeln als jeder Mensch.

(zitiert aus „Welt am Abgrund“, Spiegel 32/2011, S.71)

Kein Wort dazu, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Staatsschulden durch Rettungsmaßnahmen für den Bankensektor erst vor kurzem dazugekommen ist. Und der Satz zu den Märkten soll den Leser wohl glauben machen, dass keiner was dafür kann, dass die Finanzakteure so handeln, wie sie handeln. Als ob nicht Menschen durch Lobbyarbeit darauf hinarbeiten könnten, „dem Markt“ so viel Spielraum zu bieten. Und die Computerprogramme haben sich sicher auch selbst geschrieben…

Steuern, ein beliebtes Thema

Kein langes  Posting, nur der Hinweis auf zwei lesenswerte Artikel

  • Die TAZ meldet Pläne über ein Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz. Großer Kritikpunkt ist, dass Steuerhinterzieher nach einer Einmalzahlung straffrei und anonym bleiben können.
  • Die NachDenkSeiten kommentieren ein Interview von Hermann Otto Solms mit dem Deutschlandfunk und liefern dabei einiges an Zahlen und Grafiken zu den tatsächlichen Zuständen.